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Holz-Infrastruktur: Stella-Jones

Seit einigen Jahrzehnten hat man u.a. aus ökologischen, aber auch aus verschiedenen technischen Gründen in Deutschland Holzschwellen für Bahnschienen nach und nach ersetzt.

Einer ausführlichen Antwort auf eine Anfrage im Deutschen Bundestag von 2021 (Drucksache 19/31140) ist zu entnehmen, dass Betonschwellen für Gleisbetten in Deutschland zu diesem Zeitpunkt bereits rund 81 Prozent ausmachten, Holzschwellen 11 Prozent, Stahlschwellen 6 Prozent, Feste Fahrbahn 2 Prozent und Kunststoffschwellen 0,1 Prozent.

Im Bereich von Weichen waren indessen immer noch 49 Prozent Holzschwellen und 46 Prozent Betonschwellen verbaut.

Die Anfrage kreiste vor allem um Umweltfragen, u.a. Recycling, jedoch insbesondere auch um kreosotimprägnierte Holzschwellen.

In anderen Ländern sind die Schwellensitten anders.

Bei Precision Report erschien am 3. April 2026 ein Marktüberblick mit der sperrigen Überschrift: „Marktgröße, Anteil, Wachstum und Branchenanalyse für hölzerne Eisenbahnschwellen, nach Typ (Hartholzschwellen, Weichholzschwellen), nach Anwendung (Eisenbahn, Bergwerk, Landschaftsdekoration), regionale Einblicke und Prognose bis 2035“.

In dem umfassenden Artikel heißt es: „In den Vereinigten Staaten bleibt der Markt für hölzerne Eisenbahnschwellen ein dominierender Bestandteil der Instandhaltung der Schieneninfrastruktur. Das Land betreibt rund 220.000 Kilometer Eisenbahngleise, und Holzschwellen machen fast 93% aller installierten Eisenbahnschwellen im Güter- und Personenschienennetz aus. … Schwellen aus Hartholz, insbesondere Eiche, machen aufgrund ihrer Tragfähigkeit von über 35 Tonnen pro Achse fast 70% der Installationen in den USA aus.“

Dabei machen mit Kreosot behandelte Schwellen in den USA fast 95 Prozent dieser Holz-Installationen aus. In Kanada scheinen die Verhältnisse ähnlich zu sein.

Wir entnehmen der Marktanalyse auch, dass Deutschland in Europa mit der Abschaffung der Holzschwellen weit vorauseilt: In Europa sind nämlich diesem Bericht zufolge immer noch 47 Prozent der Eisenbahnschwellen aus Holz.

Einer der Hauptanbieter von imprägnierten Holzschwellen für die Eisenbahn in Nordamerika ist Stella-Jones.

Weitere Geschäftsbereiche des Unternehmens sind zum einen veredeltes Bauholz für Terrassen, Zäune, zum anderen Spezialhölzer für Brücken, Hafenanlagen sowie der Verkauf von Rohholz.

Das größte Geschäftsfeld, das fast die Hälfte des Umsatzes von Stella-Jones generiert, ist die Herstellung von Masten für Energietransport und Telekommunikation, die sowohl aus Holz wie aus Stahl gefertigt werden.

In diesem Geschäftsbereich hat der Konzern zuletzt massiv in den Ausbau der Stahl-Infrastruktur-Sparte investiert, um die Produktionskapazitäten für Gittertürme noch in diesem Jahr zu verdoppeln.

In Fragen der Nachhaltigkeit kam und kommt das Unternehmen vor allem im Zusammenhang mit der chemischen Imprägnierung von Holz immer wieder unter starken Druck durch Umweltverbände, indigene Gemeinschaften und staatliche Behörden. Den damit verbundenen Reputationsverlusten versucht das Unternehmen durch eine Nachhaltigkeitsstrategie entgegenzuwirken.

Stella-Jones legte am Donnerstag der Berichtswoche (6.8.2026) die Zahlen für das zweite Quartal vor. Investing.com zufolge („Earnings Call: Stella-Jones verfehlt Gewinnprognose für Q2 2026 – Aktie fällt deutlich“) fielen diese Leistungsdaten schwächer aus als erwartet.

Zwar stieg der Quartalsumsatz leicht um 0,8 Prozent von 1,03 Mrd. CAD in Q2/2025 auf 1,04 Mrd. CAD (aktuell gilt: 1 Kanadischer Dollar CAD = 0,62 Euro). Aber der Gewinn brach verhältnismäßig kräftig von 106 Mio. in Q2/2025 auf 61 Mio. CAD ein. Der bereinigte Gewinn pro Aktie habe mit 1,12 CAD die Analysten-Erwartungen von 1,81 CAD weit verfehlt.

Als Gründe für den Gewinnrückgang nannte die Unternehmensleitung insbesondere Einmaleffekte im Zuge von „Optimierungen“: Investing.com zufolge wurden beispielsweise 32 Mio. CAD für Restrukturierungen und Abschreibungen zur Konsolidierung der Netzwerke für Eisenbahnschwellen benötigt.

Darüber hinaus waren Investitionen für die Kapazitätserweiterung bei der Stahlmastenproduktion erforderlich.

Zu (un)guter Letzt wirkten sich auch noch starke Regenfälle im Südosten und gestiegene Kraftstoff- und Wartungskosten negativ auf das Ergebnis aus.

Investing.com schrieb über die Erwartungen des Managements: „Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 wird mit einer Erholung gerechnet, und ab 2027 sollen die Netzoptimierungen jährliche Einsparungen von 20 bis 27 Millionen CAD einbringen.“

Die Aktie gab nach Kommunikation der jüngsten Zahlen temporär kräftiger nach, nachdem sie in den letzten 6 Monaten bereits mehr als 20 Prozent verloren hatte.

Für eine von uns erfasste Vermögensverwaltung war dies eine Gelegenheit, Aktien von Stella-Jones billiger zu erwerben.

Aktuell (11.8.) steht der Aktienpreis bei 77,5 CAD, das sind rund 10 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.