Titel im Fokus
| Titel im Fokus | WKN |
|---|---|
| Intel Corp. | 855681 |
Intel: Kurseinbruch als Gelegenheit?
In unserer Kaufliste der Berichtswoche ist ein Kauf von Aktien des Chip-Herstellers Intel verzeichnet. Intel hat am Donnerstag der hier zu besprechenden Woche 44 die Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Während der Rückblick auf Q3 im Hinblick auf wichtige aggregierte Kennziffern wohl zufriedenstellte, war vor allem der Ausblick Grund für einen massiven Kursrutsch am Freitag der Berichtswoche.
Die Umsatzzahlen für das dritte Quartal haben in etwa den Erwartungen der professionellen Beobachter des Unternehmens entsprochen. Der Quartals-Umsatz betrug 16,5 Milliarden US-Dollar und lag damit 21 Prozent über dem dritten Vorjahres-Quartal. Der Mittelwert der Analysten-Prognosen belief sich nach Angaben von Brian Colello von Morningstar auf 16,3 Milliarden US-Dollar („Intel: Unsere Einschätzung der Aktie nach den Quartalszahlen Intel“, Morningstar, 30.10.).
Colello schreibt jedoch in Bezug auf die kurzfristige Unternehmens-Prognose: „Intel gab Anlegern einen düsteren (im Original: ugly) Ausblick, da die schwache CPU-Nachfrage und die höheren Preise für Speicherchips die Nachfrage dämpfen.“
Intel rechnet für das aktuell laufende letzte Quartal 2026 mit einem Umsatz von 15,5 Milliarden US-Dollar, während die FactSet-Konsensschätzung, so Colello, vor dem Intel-Ausblick bei 17,3 Milliarden US-Dollar lag. (Anm.: FactSet Research Systems Inc. ist ein Unternehmen für Finanzdaten und einschlägige Software, das auch die Einschätzungen von Sell-Side-Analysten in kompakter Zahlengestalt präsentiert.).
Zudem erwartet Intel für Q4/2026 eine Halbierung des bereinigten Gewinns pro Aktie (Non-GAAP EPS), der von 0,52 US-Dollar in Q3 auf 0,25 US-Dollar in Q4 einbrechen soll.
Gründe des enttäuschenden Intel-Ausblicks sind vor allem eine nachlassende Nachfrage nach PC-Prozessoren, zudem Lieferengpässe, gestiegene Speicherchip-Preise; auch sollen in der Auftragsfertigung (Foundry) Großkunden noch fehlen, obwohl dieses Geschäftsfeld im 3. Quartal stark wuchs.
Der Ausblick in der PC-Chip-Sparte ist in der Tat nicht rosig: Intel rechnet mit einem Rückgang der PC-Prozessor-Verkaufszahlen im laufenden Jahr um 12 Prozent und für 2027 um 10 Prozent. Das Problem daran ist, dass Chips für PCs und Laptops für Intel nach wie vor eine zentrale Rolle spielen – auch wenn in den letzten Jahren Intel-Aktivitäten im Zusammenhang mit KI und dergleichen deutlich stärker im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung standen.
Colello schreibt, dass das PC-Geschäft in einem „normalen“ Quartal etwa die Hälfte oder noch mehr des Intel-Umsatzes ausmache.
Die Leistungen der neueren und expandierenden Geschäftsfeldern für KI und Rechenzentren weiß Colello durchaus zu schätzen: „Wir sehen Intels Server-CPU-Geschäft und die Nachfrage nach agentischer KI weiterhin positiv. Der Umsatz im Geschäftsbereich Rechenzentren stieg im Vergleich zum Vorquartal um 17 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 78 Prozent. Allerdings ist Intel bei der Herstellung von Server-CPUs und Substraten weiterhin mit Lieferengpässen konfrontiert, was das kurzfristige Aufwärtspotenzial begrenzt.“
Ein weiteres Ereignis, das sich negativ auf die Finanzkennziffern im nächsten Halbjahr auswirken wird, ist die schwere Explosion mit Brand in der Intel-Chipfabrik „Fab 28“ in Kirjat Gat in Israel am 14. Oktober, was zu einem zweiwöchigen Produktionsstopp führte. Intel-Finanzvorstand David Zinsner schätzt, dass der dadurch bewirkte Umsatzausfall bei insgesamt 600 Millionen US-Dollar liegt, ein Betrag, der sich hälftig auf das vierte Quartal 2026 und das ersten Quartal 2027 verteilen soll.
Colello schreibt als Fazit seiner Analyse für Morningstar: „Wir senken unsere Fair Value-Schätzung für Intel, das über keinen Moat verfügt, von 105 auf 85 US-Dollar, da wir unsere kurzfristigen Umsatzprognosen für PC-CPUs nach unten korrigieren. Intels PC-Umsatz zeigte sich in der ersten Jahreshälfte 2026 trotz hoher Speicherpreise widerstandsfähig, aber jetzt setzt die Abschwächung ein und trifft das Unternehmen hart.“
Am Dienstag, 3.11.2026, wurde die Aktie im Bereich um 60,5 US-Dollar gehandelt, nachdem sie unmittelbar vor Bekanntgabe der jüngsten Finanzleistungsdaten noch bei 92 US-Dollar gestanden war.
Eine von uns erfasste Vermögensverwaltung nutzte den Absturz sogleich als Kaufgelegenheit am Freitag. Dem liegt vermutlich die Einschätzung zugrunde, dass mit dem massiven Preisverfall am Freitag alles „Schlechte“ schon eingepreist worden ist, plus Enttäuschungsabschlag.
Zwar senkten viele Analysten ihre Kursziele; im Mittel liegen diese aber wohl noch immer deutlich über dem aktuellen Kurs, wobei „Hold“ die häufigste Bewertung ist. Ein nicht namentlich genannter Autor stellte auf der Finanzplattform Invezz in einem Artikel die Frage: „Ist Intel nach einem 26%-Rutsch nach Zahlen ein Kauf? Das sagen Analysten“.
Mit „Ja“ beantwortet die Frage Nicholas Mugalli von World Trade Securities. Im Invezz-Artikel heißt es, dass Mugalli die Angewohnheit der Investoren moniere, die kurzfristigen Schwächen von Intel ins Zentrum zu rücken und die längerfristigen Chancen zu ignorieren. Mit anderen Worten: Mugalli kritisiert eine Investor Myopia, also eine Investorkurzsichtigkeit, für die er eine Brille anbietet, die seiner Meinung nach diesen Sehfehler korrigiert.
Denn Mugalli wird im Artikel direkt wie folgt zitiert: „Wir glauben, der Markt bestraft das richtige Problem mit dem falschen Zeithorizont. PCs werden sich erholen. Ein Data-Center-Wachstum von 78% und eine Foundry mit 58% Wachstum sind die Zukunft dieses Unternehmens. Ein 20%iger Preisrückgang ist die schlechte Nachricht. Er berücksichtigt nicht die Wende“. Mugalli bewertet die Aktie weiterhin mit Overweight bei einem Kursziel von 130 USD.
Schauen wir noch kurz auf die Entwicklung der Branche, der Intel zuzuordnen ist, im Monat Oktober.
Intel gehört gemäß Global Industry Classification Standard, den MSCI verwendet, zum Sector „Information Technology“ und hier zur Industry Group „Semiconductors & Semiconductor Equipment“.
Gemäß MSCI-Angaben verlor „Information Technology“ im Oktober im Eurozonen-Index 9 Prozent, im World-Index 7 Prozent und im Emerging-Markets-Index 13 Prozent.
Geht man eine Gliederungsebene tiefer, wird nach Industry Groups differenziert.
„Software & Services“ gewann im Welt-Index 1 Prozent, in der Eurozone 7 Prozent und in Schwellenländern 9 Prozent.
Die Industry Group „Technology Hardware & Equipment“ gab in der Eurozone 17 Prozent, im EM-Index 16 Prozent und im Weltindex 2 Prozent nach.
Die Industriegruppe „Semiconductors & Semiconductor Equipment“ – der, wie gesagt, Intel angehört – verlor im Eurozonen-Index 14 Prozent, im EM-Index 12 Prozent und im World-Index 14 Prozent (jeweils in US-Dollar).