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Heineken N.V. A0CA0G

Erfrischungskonzern Heineken

Das Bierbrauen erfordert kein Riesenunternehmen, wie die in den 2010er Jahren über den Atlantik herübergeschwappte Craft-Bier-Welle zeigte: Es genügte überschaubares Equipment, kaum größer als ein Chemiebaukasten, und praktisch null Erfahrung, denn eine solche lieferten Videos auf einschlägigen Plattformen und die eigenen Fehlschläge im Überfluss.

Viele derer, die damals die Welle mitritten, haben zwischenzeitlich die Lust am Bierbrauen verloren. Der Verfallszyklus der Moden und die Gesetze der Marktbereinigung trennten die Spreu vom Weizen bzw. die Hopfenranken von den Hopfendolden, sofern überhaupt Hopfen mit im Spiel war. Denn es erweiterte sich nicht nur das Spektrum der Sorten, sondern auch das kategoriale Verständnis von Bier.

Und was für Kunst generell gilt, gilt ebenso für die Braukunst speziell: mindestens so wichtig wie die physischen Zutaten ist die werbende Rede im vertrauten Kreis der am Getränk nippenden Peers, durch die sich der Geschmack erst bildet und verfestigt.

Das beste Beispiel hierfür liefert die Homepage von Heineken unter dem Stichwort „Kampagnen“:

„Wenn unser Bier das Einzige wäre, was dich erfrischt, hätten wir das Gefühl, dass wir unseren Job nicht richtig machen. Wir hoffen, dass wir mit dir ein wenig guten Geschmack jenseits von Gerstenmalz, Hopfen, Wasser und A-Hefe teilen können. Wenn wir dich mit unserer Arbeit zum Lächeln bringen und erfrischen können, dann sind wir zufrieden. Stoßen wir auf die Kampagnen an, die (fast) so erfrischend sind wie das Bier, von dem sie handeln.“

Die Konditionierung auf Erfrischung zieht sich wie ein roter Faden als das allgemeine Prinzip durch den deutschsprachigen Internetauftritt von Heineken (siehe unten), so dass der Trend in Richtung Erfrischungsgetränk, Erfrischungskonzern zu gehen scheint.

Eine Vermögensverwaltung unseres Depotausschnittes fand womöglich auch die Kursgewinne sehr erfrischend, die sie in der Berichtswoche durch Verkauf von Heineken-Aktien realisieren konnte. Anfang Juni stand der Preis pro Aktie noch bei 65,5 Euro, am Mittwoch der Berichtswoche überschritt der Kurs knapp die 80 Euro, um danach wieder etwas nachzugeben.

In welchem Umfeld bewegt sich Heineken derzeit? Schauen wir dazu auf die first five im Ranking der größten Bierproduzenten weltweit.

Wir ziehen hierfür den jüngsten Marktbericht des weltweit größten Hopfenhändlers BarthHaas aus Nürnberg zu Rate. Der erfasst größtenteils die Zutaten, aber eben auch den Bierausstoß. Der darf gerade bei Angaben für ein Land nicht mit dem Bierkonsum innerhalb der Grenzen dieses Landes verwechselt werden, da es sich um die im Land produzierte Biermenge handelt. Theoretisch könnte auch ein Land der Abstinenzler das gesamte Bier für die restliche Welt produzieren.

An der Spitze bezogen auf das Produktionsvolumen lag im Jahr 2025 AB InBev (Belgien) mit 484,19 Mio. Hektolitern (bzw. 48,419 Milliarden Litern), was 25,5 % der Weltgesamtproduktion war. Heineken (Niederlande) folgt mit 235,65 Mio. hl auf dem zweiten Rang (12,4 %). An dritter Stelle rangierte China Res. Snow Breweries mit 110,30 Mio. hl (5,8%). An vierter Position steht Carlsberg (Dänemark) mit Mio. 99,00 hl (5,2 %). Und auf Rang 5 kommt Molson Coors (USA/Kanada) mit 74,55 Mio. hl (3,9%). Größter deutscher Bierhersteller ist die Radeberger Gruppe auf Platz 25 mit 9,95 Mio. hl (0,5%).

An der Spitze der first five Länder bei der Bierproduktion lag 2025 China mit 353,60 Mio. hl (18,7 % des Gesamtkonsums) vor den USA mit 174,91 Mio. hl (9,2 %), Brasilien mit 151,10 Mio. hl (8,0 %), Mexiko mit 147,87 Mio. hl (7,8 %) und Russland mit 90,10 Mio. hl (4,8 %). Wo bleibt Deutschland? Auf Rang 6 mit 79,24 Mio. hl (4,2 %). Großbritannien kommt nicht einmal auf die Hälfte davon, was „nur“ für Position 10 reichte.

Generell ist derzeit der Bierausstoß weltweit etwas rückläufig, nachdem er sich zwischen 1975 und 2013 (Maximum) von 740 Mio. auf 1.970 Mio. hl gesteigert und danach seitwärts bis leicht abwärts bewegt hatte.

BarthHaas zufolge ging die Produktionsmenge 2025 gegenüber 2024 um 0,7% auf 1.896,74 Mio. Hektoliter zurück. Bei einer Weltbevölkerung von 8,31 Milliarden sind das rechnerisch rund 23 Liter Bier pro Kopf im Jahr.

Stärker als im Durchschnitt war der Rückgang des Ausstoßes gegenüber 2024 in Europa (-1,6% auf 510 Mio. hl). BarthHaas schreibt: „Maßgeblich hierfür waren insbesondere deutliche Rückgänge in Deutschland (-4,7 Mio. hl) und Polen (-2,5 Mio. hl).“ In Nordamerika ging der Ausstoß um 1,9 auf 343 Mio. hl zurück, insbesondere aufgrund von geringeren Volumina in den USA, während die Herstellungsmenge in Mexiko und Südamerika zulegte. In Gesamtamerika reduzierte sich der Ausstoß um 0,4 Prozent auf 614 Mio. hl. In Asien ging es um 1,2 Prozent nach unten auf 587 Mio. hl, in Afrika hingegen um 2,6 Prozent nach oben auf 167 Mio. hl.

BarthHaas resümiert: „Für das Jahr 2026 wird ein weitgehend stabiler, tendenziell jedoch etwas niedrigerer Bierausstoß erwartet.“

Und weiter heißt es im Bericht: „Alkoholfreie und alkoholreduzierte Biere sowie die Diversifizierung in angrenzende Getränkekategorien stehen weiterhin bei allen bedeutenden Brauereigruppen auf der strategischen Agenda.“

Diese Agenda hat sich auch Heineken zu Herzen genommen. Auf der Homepage steht geschrieben: „… Von unserer kultigen Flasche, über unser Fassbier, bis hin zu unserem alkoholfreien Heineken 0.0 – eine Welt der Erfrischung liegt deinen Geschmacksnerven zu Füssen. Entdecke sie jetzt!“

So richtig entdecken will man sie trotz des duzenden Imperativs an dieser Stelle dann lieber doch nicht, weil die schweizerdeutsch geschriebenen „Füße“ metaphorisch sehr unglücklich unmittelbar unter die Geschmacksnerven montiert sind und im Erfrischungskontext überdies schnell die Vorstellung einer Kneipp-Kur nach langer Wanderung evozieren. Das könnte die Vorfreude auf die kultige Flasche, das Fassbier oder die Version 0.0 bei sprachsensiblen Gemütern dann doch erheblich trüben.

Wie sehr konnte Heineken die Geschmacksnerven des Marktes zu eigenen Füßen mit den am frühen Morgen des 5. August 2026 veröffentlichten Quartalszahlen überzeugen? Auf Ad hoc News lesen wir: „Heineken überrascht mit starkem Bierabsatz im ersten Halbjahr, während der operative Gewinn den Erwartungen entspricht. Sparprogramm und Aktienrückkauf laufen weiter“ (Heineken Aktie: „Bierabsatz übertrifft Erwartungen.“ 05.08.2026; 08:12 Uhr; Redaktion boerse-global.de). Das hat der Aktie bereits am frühen Morgen des 5.8. einen Schub nach oben beschert.