Titel im Fokus
| Titel im Fokus | WKN |
|---|---|
| Keurig Dr Pepper Inc. | A2JQPZ |
Keurig Dr Pepper – Gilt auch hier: Das Ganze ist weniger als die Summe seiner Teile?
Auf unserer Handelsliste der Berichtswoche steht ein Verkauf von Aktien des in Frisco, Texas, beheimateten Getränke-Spezialisten Keurig Dr Pepper. Das Unternehmen schreibt in der Kurzvorstellung auf der Homepage über sein Geschäftsfeld: „Keurig Dr Pepper ist ein weltweit führendes Getränkeunternehmen mit einem Portfolio von mehr als 150 eigenen, lizenzierten und Partnermarken und leistungsstarken Vertriebskapazitäten, um ein Getränk für jeden Bedarf und jederzeit und überall bereitzustellen.“ Weiter heißt es dort, dass man eine Vielzahl von Getränkekategorien führe, darunter Softdrinks, Kaffee, Wasser, Tee und Mixgetränke.
Keurig Dr Pepper (KDP) hat – nach der Einigung im Sommer 2025 – in diesem Jahr den Kaffee- und Teeherstellers JDE Peet’s einverleibt. Diese Übernahme steht im Kontext einer grundlegenden Umstrukturierung des Gesamtunternehmens. Denn nach der im April 2026 abgeschlossenen Fusion steht Anfang 2027 eine Fission auf dem Programm: entlang einer produktkategorialen Differenzlinie soll KDP in zwei separate, börsennotierte Unternehmen differenziert werden: In eine Aktiengesellschaft für die weltweit operierende Kaffeesparte („Arbeitsname“: Global Coffee Co). Und in eine Aktiengesellschaft für die auf Nordamerika fokussierte Erfrischungsgetränkesparte (Beverage Co.).
Rechtlich handelt es sich um eine Abspaltung. Denn die bisherige Aktiengesellschaft KDP wird als rechtlicher Rahmen für die Kaltgetränkesparte weiterexistieren, wenn auch sicherlich unter anderem oder modifiziertem Namen.
Die Kaffeesparte wird dann im Rahmen eines neuen eigenständigen Unternehmens geführt.
Insofern handelt es sich rechtlich um eine Abspaltung bzw. einen Spin-off – im Unterschied zu einer Aufspaltung (oder einem Split-up), bei der das Ursprungsunternehmen liquidiert wird zugunsten zweier neuer Gesellschaften.
Die KDP-Aktie hat über 1 Jahr rund 24 Prozent zugelegt. Der „S&P Food and Beverage Select Index“, der 66 US-Titel dieser Subbranche enthält, ist in diesem Zeitraum lediglich um knapp 1 Prozent, also im Grund überhaupt nicht, nach oben geklettert.
Insbesondere zwischen 2. April und 29. Juni steigerte sich der Kurs der KDP-Aktie recht kräftig von 25,31 auf 33,50 USD – das sind 32 Prozent. Aktuell (13.10.) steht der Kurs bei 32,75 USD, nachdem er seit Mittwoch der Berichtswoche (30,54 USD) einen Sprung nach oben gemacht hatte.
KDP wird am 3. November die Zahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlichen. Nach Angaben von Kritika Sarmah vom Finanzdatenanbieter Barchart prognostizieren Analysten aktuell im Hinblick auf den Gewinn pro Aktie (Earning per Share, EPS), dass der EPS 64 Cent betragen werde, was 18,5 Prozent mehr wären als im Vorjahresquartal („Keurig Dr Pepper Earnings Preview: What to Expect“, Kritika Sarmah, Brachart, 12.10.2026).
Sarmah schreibt: „Für das Geschäftsjahr 2026 prognostizieren Analysten einen EPS von 2,30 USD, ein Plus von 12,2% gegenüber 2,05 USD im Geschäftsjahr 2025. Es wird erwartet, dass der EPS im Jahresvergleich um weitere 9,6% auf USD 2,52 im Geschäftsjahr 2027 steigen wird.“
Die Barchart-Kommentatorin erinnert zudem daran, dass die realen EPS-Zahlen in den letzten vier Quartalen stets die EPS-Erwartungen der Analysten übertroffen haben.
Man kann sich daher fragen, ob und wie in der aktuellen Konsens-Erwartung eingepreist ist, dass die Konsens-Erwartungen viermal übertroffen worden sind. Man kann sich zudem fragen, ob Anleger in so einem Umfeld vielleicht auch nur halbbewusst sagen: bisher hat KDP viermal die Erwartungen übertroffen, dann kann es auch beim fünften Mal gut so sein.
Sollte dies der Fall sein, dürfte die Überraschung nicht allzu groß sein und es wäre wenig Kursbewegung zu erwarten. Sollten die Ergebnisse hingegen im Rahmen der Erwartungen liegen, dann wäre eher mit leichter Enttäuschung zu rechnen; der Kurs würde dann möglicherweise nachgeben, wie man das in ähnlichen Fällen öfters sieht.
Für die aktuelle Erwartungsbildung ist wesentlich, dass diese unter erschwerten Erkenntnisbedingungen erfolgt. Denn für die Einschätzung des KDP-Aktienwertes bildet die Spaltung in die beiden unabhängige Aktiengesellschaften den unmittelbaren Zukunfts-Horizont, der sich in der Gegenwart abbildet.
Eine solche (Ab-)Spaltung impliziert c.p. zunächst einmal größere Unsicherheit bzw. eine breitere Streuung der Schätzwerte, als wenn KDP nicht gespalten würde – egal wo nun der Mittelwert der Schätzungen des „fairen“ Werts liegt.
Der gegenwärtig als „fair“ bzw. als angemessen beurteilte Wert von KDP hängt stark von den gewählten Annahmen und vom Bewertungsmodell ab.
Zugrunde legen kann man hierfür eine Sum-of-the-Parts-Rechnung (SOTP), mit der die bald eigenständigen Teile bewertet werden.
Die beiden Parts von KDP seien, so eine verbreitete Einschätzung, in der Summe mehr wert als das Ganze jetzt. Gerade optimistische Analysten – dazu gehört auch die Bank of America – sehen die KDP-Aktie aktuell um 12 bis 14 Prozent unterbewertet. Das ist der sogenannte Konglomeratsabschlag: Das Ganze ist weniger wert als die Summe seiner Teile.
Darin reflektiert sich insbesondere der „freizusetzende“ Wert (Value unlock) der bislang „gefesselten“ Kaltgetränkesparte nach der Trennung vom deutlich volatileren Kaffeegeschäft.
Nach Angaben von Simply Wall St ist die These, dass KDP 14 Prozent unterbewertet ist, aktuell das populärste Narrativ am Markt („Keurig Dr Pepper (KDP) Could Be 14% Undervalued As Split Plans Take Shape“; Simply Wall St, 9.10.2026).
Der Artikel von Simply Wall St. schürt jedoch auch Zweifel an dieser „Erzählung“: Er führt den hohen Kostendruck auf das US-Kaffeegeschäft an, in den auch hohe Unsicherheiten in Gestalt gestiegener Handelsrisiken und die beträchtliche Preisvolatilität von Kaffee eingehen.
Überdies könnten sich Schwierigkeiten bei der Integration von JDE Peet’s – so etwas dauert bekanntlich auch im Erfolgsfall häufig länger als die formelle Eingliederung – negativ auf die „faire“ Bewertung auswirken.
Schließlich ist es so, dass KDP die Übernahme von JDE Peet’s über massive Kredite finanziert hat (Die Netto-Verschuldung von KDP liegt aktuell bei 29 Mrd. USD). In der SOTP-Berechnung müssen die Schulden aber abgezogen werden. Die hohen Wertberechnungen ergeben sich aber nur unter der Annahme, dass KDP bis 2027 seine Schulden massiv reduzieren kann. Mit den aktuellen Schulden läge das Unternehmen bei fairen Werten um vielleicht 30 bis 32 USD und wäre damit nicht unterbewertet.
Entscheidend kommt jedoch hinzu, dass KDP auch deshalb Schulden abbauen muss, um für beide Unternehmen ein Investment-Grade-Rating zu sichern, weil sonst die Risikoabschläge und die Zinskosten zu hoch wären. Das würde sich wiederum in der SOTP-Berechnung negativ auswirken. Die Aktie von KDP wäre vor dem Hintergrund eines Szenarios mit anhaltend sehr hohen Schulden deutlich überbewertet (der faire Wert läge dann vielleicht nur bei 26 USD).
Simply Wall St. gibt ferner zu bedenken, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 31,6 für Keurig Dr Pepper weit über dem KGV des globalen Getränkesektors (16,6) liege. Die Frage sei daher, ob die Abspaltungs-Story dieses hohe KGV rechtfertigen könne.
Eine von uns erfasste Vermögensverwaltung beantwortete diese Frage mit dem Verkauf von KDP-Aktien in der Berichtswoche, der ihr erhebliche Kursgewinne in die Kasse „spülte“.